TINA BORN

Menschenfresser auf Neubritannien in der Südsee. Gezeichnet nach dem Leben von Dr. O. Finsch. ( S.445 ), 2016
Auflage / Edition: 10
Siebdruck auf Baumwolle, Holzperlen / Silkscreen print, wooden pearls
145 x 104 cm
Erhältlich in den Farben: grün, blau, gelb / Available in the colors: green, blue, yellow
Verpackung: schwarzer Karton / Wrapping: black cardboard box

Bei der vorliegenden Edition von Tina Born handelt es sich um den Siebdruck und die Vergrößerung einer Illustration des Bremer Kaufmanns, Ethnologen, Ornithologen und Forschungsreisenden Otto Finsch (1839 - 1917).
Otto Finsch wurde vor allem durch seine Vorbereitung zur Inbesitznahme der deutschen Kolonie Deutsch-Neuguinea bekannt. Nach ihm sind das Gebiet Finschhafen in Papua-Neuguinea sowie die Finschküste benannt. Als Agent des privaten Hamburger Neuguinea-Konsortiums bereiste er 1884 und 1885 auf mehreren Reisen fast die gesamte Nordküste Neuguineas und entdeckte den Sepik (Kaiserin-Augusta-Fluss). Finsch schloss auch Verträge über Landerwerbungen ab. 1885 wurde die Nordhälfte der Insel unter dem Namen Kaiser-Wilhelms-Land „Schutzgebiet“ der Neuguinea-Kompagnie und mit Finschhafen der erste Verwaltungssitz der Kolonie Deutsch-Neuguineas gegründet.
Die ehemaligen deutschen Schutzgebiete sind für Tina Born von Interesse ( 2014 bereiste sie Namibia, ehem. Deutsch- Südwestafrika, und 2015 die ehemalige Südsee Kolonie West- Samoa) weil diese, eher aus dem Fokus gerückten geschichtlichen Vermächtnisse, bis heute Spuren aufweisen und in die Gegenwart hinein wirken. Ein Aspekt hierbei ist der „koloniale Blick“ auf fremde Kulturen, wie z.B. bei der vorliegenden Illustration von Dr. Finsch von 1883.
Hinsichtlich des Mythos Menschenfresser herrschte in den letzten Jahren eine Art Glaubensstreit unter Historikern und Ethnologen. Die Skeptiker hielten alle Berichte über Kannibalismus bei indigenen Kulturen für bloße imperialistische Propaganda. Mittlerweile gibt es verlässliche Belege, dass es fast überall auf der Welt, auch in Europa, Kannibalismus aus ganz verschiedenen Motiven heraus gegeben hat.
Genauso zweifelsfrei lässt sich sagen, dass sich der Kannibalismus Vorwurf im 19. Jahrhundert hervorragend dazu eignete, Missionierung und Kolonialisierung zu rechtfertigen. In der Kolonialzeit wurden die Menschen so stigmatisiert und als kulturlose "Wilde" abgewertet.